Tag: Frank Hebben


Frank Hebben: Das Lied der Grammophonbäume


Nahe unserem Dorf steht die Ruine eines Bauernhofs, ausgebrannt im Ersten Weltkrieg, nachdem eine Fliegerbombe die Scheune getroffen hatte. Nur die Mauern sind heil geblieben, in deren Fugen noch Ruß klebt – wie Schatten. An der Stelle, wo die Familie einst mit klappernden Tellern beim...

Frank Hebben: Imperium Germancium


Der Tod ist Maschinist, die Pest ist Chemiker geworden, und wir Soldaten sind die Ratten, graben Schützengräben quer durchs verstrahlte Vaterland, von Elsass-Lothringen bis zur Elbe und weiter, hoch zum Skagerrak, auch östlich nach Sankt Petersburg, der Blutpumpe des Zarenreichs, in der Hindenburg sein Leben...

Uwe Post: Beschluss 4/7/90


„Ich stelle meine Sporttasche ab, ziehe die kleine Flasche Club Cola hervor. Ist warm geworden. Kocht quasi. Egal. Heute ist alles egal. Morgen fahre ich zu Onkel Andreas, in die Datsche in der Nähe von Jüterbog. Onkel Andreas ist ein dreckiger Ochse. Aber in seiner...

Frank Hebben: Memories


Die Stimme eines alten Films Dumpfes Mono, zwei Takte Musik Ein Regenlicht am Fenster Ich kaufe sie«, sagte das Mädchen mit den Schmetterlingsaugen. »Wie viele Fragmente wird das kosten?« Der Händler beugte sich über den Transmitter, ein Gerät in der Form eines Kubus, links und...

Frank Hebben: Fromme Küchengeräte


»Seid gegrüßt, Allherrscher!«, rief mir freudig der Toaster entgegen, als ich in aller Herrgottsfrühe verkatert in meine Küche schlurfte; gestern Weihnachtsfeier. »Oh, Freude, Freude, Euch dienen zu dürfen!« Ich war sprachlos, stand wie vom Donner gerührt. Bis jetzt hatte mein Toaster immer nur: »Zwei Buttertoasts,...

Frank Hebben vs [AD:key]: Highscore


In einer Sänfte tragen sie mich durch die Elektrische Stadt, entlang der alten Arcade aus Glas und Acryl, in denen einst die Spiele begannen; das Herz meiner Welt, jetzt vom Schatten größerer Spielepaläste verschluckt, wo es stillsteht, versunken in alten Tagen. Nur noch wenige Gamer,...

Frank Hebben: Krematorium


Ich bin ein Torso, kein Schädel in den Denkfabriken. Ich habe eine Brust und einen Kopf, obwohl ich mein Gesicht nicht kenne: Ein Nylonstoff hüllt meinen Körper ein, eng anliegend, warm, und es prickelt, sobald die kleine Sensorspinne, mit Widerhaken an den Beinen, weiterkrabbelt bis...